'Chill and Stay Alive Self Help Group’ - Projekt in Kibera, dem größten Slumgebiet in Nairobi (Kenia) -

Das Projekt wurde 1998 unter dem damaligen Namen 'KICOSHEP STAY ALIVE- Group' von Gaudenshia Omoga und Dinah Saisi als Projekt der NGO KICOSHEP (Kibera Community Self Help Programme) gegründet. Die Schneider-Schule startete mit 10 Schülerinnen. Ihre Zahl hat sich seitdem aufgrund der hohen Nachfrage auf 25 Schülerinnen gesteigert, die jährlich das staatliche ‚Schneider-Zertifikat’ ablegen. Der Schwerpunkt des Erlernens des Schneiderns und Nähens besteht noch heute, doch wurde der Erwerb zusätzlicher Fähigkeiten wie Korbflechten, Stricken, Batiken u.ä. in den täglichen Unterricht integriert.Während der Ausbildung wird außerdem besonderen Wert auf die Vermittlung von zusätzlichem Wissen im Bereich Hygiene- und Gesundheitserziehung und AIDS-Aufklärung gelegt aber auch auf das Erlernen und vertiefen relevanter beruflicher Kenntnisse, wie Lesen, Schreiben und Rechnen, Unternehmens-planung (im weiteren Sinne), Buchführung u.ä.

Die Gruppe wendet sich bei der Auswahl der Schülerinnen vor allem an AIDS-Waisen und Jugendliche, deren Familien direkt durch AIDS betroffen sind (deren Familienangehörige infiziert oder auch schon erkrankt sind). Diesen Jugendlichen soll eine Perspektive zu eröffnet werden, indem sie Fähigkeiten erlernen können, die sie befähigen ein Einkommen zu erwirtschaften und ihre Familien so zu unterstützen.

Seit April 2005 ist das Projekt aus der NGO KICOSHEP ausgegliedert und versucht auf eigenen Beinen zu stehen. Nachdem es 7 Jahre lang überaus erfolgreich mit Unterstützung von KICOSHEP betrieben wurde, führten interne Gründe zu dem Entschluss die ´Schneider-Schule’ als eigenständiges Projekt zu führen. Die Gruppe wurde als Konsequenz umbenannt und ist heute unter dem Name ´CHILL AND STAY ALIVE SELF HELP GROUP’ beim zuständigen ´Ministry of Gender, Sports, Culture and Social Services’ registriert.

Ziel des Projektes

Das primäre Ziel des Projektes ist die Verbesserung der Lebenssituation der teilnehmenden Jugendlichen. Viele der Schülerinnen mussten früh die Schule abbrechen, oft um sich um ihre verwaisten Geschwister zu kümmern. Sie stehen nun ohne Schulabschluss und ohne jegliche Perspektive da. Die meisten Mädchen wurden bisher nie gefördert, haben nie erfahren was es heißt Rückhalt zu haben und Zugehörigkeit zu einer stabilen Gruppe.

Die Familienangehörigen der Schülerinnen sind in vielen Fällen an dem Einfluss und den Folgen von AIDS zerbrochen. Zum Teil aufgrund der Tatsache, dass Infizierte in der kenianischen Gesellschaft vielfach ausgegrenzt werden. Zum anderen sind oft  Angehörige schon so schwer erkrankt, dass sie von der Familie versorgt werden müssen, was eine immense zusätzliche Belastung für die schon geschwächten Familienstrukturen darstellt.

Nicht selten ist mindestens ein Elternteil der Schülerinnen bereits verstorben und/oder ein anderes schlichtweg verschwunden und die Jugendlichen werden mit ihren Geschwistern allein gelassen. Viele wohnen bei ihren Großmüttern, die sich schon um eine Heerschar von Enkeln kümmern müssen und dieser enormen Aufgabe allein physisch nicht mehr gewachsen sind.

In dieser schwierigen Situation ist es das Anliegen der „Chill and Stay Alive“-Gruppe den jungen Mädchen eine Stütze zu sein und ein „Hafen der Sicherheit und Stabilität“. Ihren Schülerinnen eine Chance auf ein besseres Leben zu geben und sie in ihrer positiven Entwicklung zu unterstützen, das ist es worauf die Gruppe hinarbeitet. Die Zukunft der Jugendlichen soll gesichert werden, indem ihnen eine Ausbildung geboten wird, die sie nach Abschluss dazu befähigt ein Einkommen zu erwirtschaften um sich selbst und ihre Familien zu versorgen und ihren Lebensstandard zu verbessern.

 

Leben in Kibera

Kibera liegt 7 km südwestlich des Stadtzentrums von Nairobi und ist der größte Slums Ostafrikas und einer der größten Afrikas insgesamt. Kibera erstreckt sich über eine Breite von 3,5 km (von Westen nach Osten) und 1,5 km (Von Norden nach Süden) mit einer Flächen von ca. 250 ha. Offizielle Bevölkerungszahlen werden mit bis zu 700.000 und einer Einwohnerdichte von ca. 2000 Menschen pro ha angegeben. Wie viele Menschen dort jedoch tatsächlich leben, lässt sich schwer sagen. Wohltätige Organisationen, die in diesem Slum tätig sind, schätzen die tatsächliche Einwohnerzahl jedoch auf mindestens 1 Million. Dies wären ein Drittel der gesamten Stadtbevölkerung Nairobis.

Kibera besitzt alle Charakteristika eines typischen Slums: fast keine öffentlichen Dienst-leistungen sind verfügbar (weder Wasseranschluss, noch Abwasserentsorgung noch Müllentsorgung sind geregelt), die Bevölkerungsdichte ist enorm hoch, die Arbeitslosenrate liegt nach vorsichtigen Schätzungen zwischen 70-80%, die Analphabetenrate ist astronomisch hoch, die Gesundheitsversorgung ist denkbar schlecht (lediglich zwei Krankenhäuser für 1 Million Menschen) und die Sterblichkeitsrate liegt dementsprechend weit über dem Landesdurchschnitt.